Wer kennt es nicht: man sitzt zu Hause auf der Couch, möchte neue Sommerkleidung kaufen, ist aber zu faul zum Bummeln. Gut, dass man fast alles auch online bestellen kann!

Auch ihr habt Produkte, die ihr gerne online verkaufen wollt oder seid ihr bereits als Online Shop-Besitzer aktiv? Dann erfahrt im Interview mit unserem Shop-Experten Matthias Lau mehr darüber, wie ihr euren Shop nach vorn bringt!


1. Moin Matthias! Ein paar Worte zu dir: Wer bist du, was machst du und warum sind Online-Shops dein Steckenpferd?

Hi, ich bin Matthias, Web-Allrounder mit einem Faible für den Online-Handel. erfolgreich-online-verkaufen-experten-interview-mit-matthias-lauIm E-Commerce bin ich inzwischen schon seit über elf Jahren aktiv, habe diverse Online-Shops und Preisvergleichs-Seiten aufgebaut und betrieben und zuletzt war ich bei Jimdo für die Weiterentwicklung des Online-Shop-Systems zuständig. Aktuell helfe ich als selbstständiger Berater Online-Shops bei der Konzeption und bei ihrer E-Commerce Strategie.

 

2. Welche Produkte kann man deiner Meinung nach am besten über einen Online-Shop verkaufen?

Das Wichtigste ist erst einmal sich die Frage, ob meine Produkte überhaupt online nachgefragt sind. Gibt es aktuell genug Menschen, die im Internet nach diesen Produkten suchen? Und wenn nicht, traue ich es mir zu, diesen Bedarf zu schaffen? Könnt ihr diese Fragen bejahen, dann könnt ihr auch damit loslegen, eure Produkte online zu vertreiben! Früher war dies nicht ganz so einfach, da es technisch sehr aufwändig war, einen Online-Shop zu erstellen und daher auch sehr hohe Investitionen notwendig waren. Heutzutage gibt es aber kleinere und einfache Shop-Systeme, wie z.B. Jimdo, mit denen man selber loslegen kann. Somit ist es möglich, einfach mal auszuprobieren, ob sich Produkte online verkaufen lassen oder nicht. Einfach mal anpacken!

www.paulibird.com

Maurice verkauft in seinem Shop „Paulibird“ Schmuck aus Brillen-Acetat und alten Sketaboard-Decks!

 

3. Bevor man mit einem Online-Shop startet, welche Dinge sollte man beachten? Gibt es eine Art Checkliste, die unsere Nutzer befolgen können?

Auch wenn das Starten eines Online-Shops sehr einfach geworden ist, sollte man sich natürlich mit ein paar Dingen im Vorfeld auseinandersetzen – E-Commerce ist kein Selbstgänger, aber mit guter Vorbereitung klappt das! Ein paar Tipps:

  • Eine Marktrecherche hilft dabei enorm! Nehmt neben dem Bedarf auch eure Konkurrenz unter die Lupe: Was macht diese besonders? Was können sie sehr gut und was eher nicht? Definiert dann darauf basierend das, was euren Online-Shop einzigartig macht. Warum sollte jemand bei mir kaufen und nicht bei der Konkurrenz?
  • Die Gründe, bei euch zu kaufen, können einzigartige Produkte sein, ein gewisser Flair, der mitverkauft wird, eine Story, ein einzigartiges Einkaufserlebnis, besonderer Service oder etwas ganz anderes. Seid kreativ, fragt eure Freunde und Kollegen und fragt vor allem potenzielle Kunden. Indem ihr euch von euren Mitbewerbern abhebt, legt ihr den Grundstein für euren Erfolg!
  • Macht euch neben der Marktrecherche auch unbedingt mit den rechtlichen Vorgaben eines Online-Shops vertraut. Ein gutes Shop-System deckt hier schon vieles ab und Unternehmen, wie z.B. Protected Shops oder Trusted Shops, können hierbei helfen. Ich rate gerade bei Anfängern davon ab, ausländische Shopsysteme ungeprüft zu verwenden. Die deutsche Rechtslage ist vergleichsweise streng und besonders – achtet also darauf, dass das System den deutschen/europäischen Gesetzesvorlagen entspricht.
  • Ansonsten gilt bei vielen Punkten: ausprobieren! Testet z.B. einfach, welche eurer Produkte sich online gut verkaufen und zu welchem Preis. Seht euren Shop nicht als in Stein gemeißelt an!

 

4. Hast du Tipps zur Gestaltung eines Online-Shops? Wie bekommt man es hin, dass ein Shop super aussieht und gleichzeitig benutzerfreundlich ist?

Es ist wichtig, dass eure Kunden sehen: Euer Shop ist einzigartig! Einem Besucher muss sofort klar sein, warum er hier kaufen sollte und nicht woanders. Wählt einen Marken- oder Shopnamen, an den sich die Kunden gut erinnern. Denn: ein Kunde, der kauft, ist gut, aber ein Kunde, der immer wieder kauft und deine Marke weiterträgt, ist großartig!Nach dem Kauf sollte ein Kunde also nicht etwa sagen „Toll, ich hab da gerade ein voll schönes Armband in so einem Online-Shop gekauft“, sondern eher „Super, bei diesem Shop Paulibird gibt es total schöne Ketten, die aus alten Skateboards hergestellt werden. So eine hab ich mir auch gerade bestellt“.

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Die Jungs von „Treibholz-Boards“ stellen Longboards aus Treibholz her. Die hochwertigen Fotos setzen die Produkte perfekt in Szene.

Darüber hinaus sollte auch das Design zu der Stimmung und zu dem Gefühl, welches ihr vermitteln wollt, passen. Ein Shop für handbemalte Sneaker sollte z.B. kein klares, steriles Design haben, sondern eher einen knalligen, bunten Shop. Die Struktur eurer Seite unterstreicht das Sortiment. Habt ihr wenige Produkte, dann sollte es nicht zu viele Unterkategorien geben. Gibt es nicht so viele weiterführende Informationen zu einem Produkt, so können die Produkte vielleicht auch direkt auf den Kategorie-Seiten positioniert werden, so dass ein Kunde nicht erst auf eine Detailseite wechseln muss. Habt ihr viele Informationen, wie z.B. Videos und Datenblätter zu einem Produkt, so solltet ihr entsprechende Detailseiten anlegen. Dies gilt auch für Produkte, die gezielt gesucht werden, also z.B. wenn Kunden bei Google die konkrete Produktbezeichnung eingeben.

Auch bei Design & Struktur gilt: probiert ein wenig aus und holt euch viel Feedback von potentiellen Kunden, wie sie mit eurem Shop zurechtkommen.

 

5. Eine zentrale Frage ist: Wie kann ich bekannt und erfolgreich werden? Was können unsere Nutzer tun, um sich von ihren Konkurrenten abzuheben?

Je nach Sortiment und Zielgruppe gibt es viel, was man machen oder zumindest testen kann, um mit seinem Online-Shop erfolgreich zu werden. Ein solider Service und schnelle Lieferung gehören dabei zu den Grundlagen. Niemand bestellt gerne in einem Shop, bei dem die Bestellung viel zu lange dauert und niemand auf E-Mails antwortet. Dies erhöht auch meist die Rücksendungen, die man natürlich vermeiden möchte. Ihr möchtet ja, dass eure Kunden mit euren Produkten glücklich sind! Darüber hinaus können gezielte Kaufanreize mit Gutscheinen oder auch versandkostenfreier Lieferung sinnvoll sein.

Viele Online-Shops versteifen sich zu sehr auf klassische Online Marketing-Maßnahmen, wie SEO und Google AdWords. Diese Maßnahmen können zum Erfolg beitragen und man sollte sich als Betreiber eines Online-Shops unbedingt damit auseinandersetzen, aber vor allem sollte man sich auch andere individuelle Maßnahmen überlegen. Wo halten sich meine potentiellen Kunden auf? Wie kann ich diese erreichen? Es kann z.B. Sinn machen, in einem Internet-Forum zu der eigenen Branche aktiv zu sein und sich so einen Namen zu machen oder auf Frageportalen, wie z.B. gutefrage.net, aktiv Fragen rund um die eigene Branche zu beantwortet. Auch Offline-Maßnahmen, wie z.B. ein Stand auf einem lokalen Handwerker-Markt, können sehr viel bringen!

Super Matthias, danke für das Interview! Habt ihr ähnliche Erfahrungen wie Matthias gemacht oder war viel neues für euch dabei?

Erzählt es mir doch in den Kommentaren!