Immer wieder freitags: So sorgt ihr am Ende der Woche für einen entspannten Montag

Machen wir uns nichts vor, der Freitag ist wahrscheinlich der unproduktivste Tag der Arbeitswoche: Die Energie ist längst verbraucht, die Planung fürs Wochenende läuft auf Hochtouren und kurz vor Feierabend noch was Neues anzufangen ergibt irgendwie keinen Sinn. Kennt ihr das auch?


Gut zu wissen, dass nicht nur uns so geht: Laut einer US-Studie ist für die meisten Menschen der Dienstag der produktivste Arbeitstag, dicht gefolgt vom Montag. Und der Freitag? Liegt weit abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Lange Zeit fand ich es nicht so schlimm, freitags wenig auf die Reihe zu bekommen – das änderte sich jedoch schlagartig, als ich Freiberufler wurde. Denn plötzlich bedeutete ein vertrödelter Freitag, dass ich am Wochenende arbeiten musste. Man könnte es Flexibilität nennen. Eigentlich bedeutete es aber nur, dass ich wertvolle Freizeit damit verbrachte, Dinge zu tun, die ich eigentlich in der Woche hätte erledigen sollen. Dabei war am Wochenende zu arbeiten ganz sicher nicht mein Ziel, als ich mich selbstständig gemacht habe.

Mir wurde klar, dass ich meinen Freitag neu organisieren musste – und zwar nicht dadurch, dass ich kurz vor dem Wochenende noch mal zum Arbeitstier werde, sondern indem ich die Besonderheit des Freitags zu meinem Vorteil nutze. Der letzte Arbeitstag der Woche mag als unproduktiv gelten und dazu verleiten, nur stumpfsinnige Aufgaben zu erledigen. Andererseits ist der Freitag aber auch ein Tag, an dem viele Leute relaxter und offener sind als sonst. Und davon lässt sich durchaus profitieren.

Meine Schlussfolgerung: Wenn ich den Freitag nutze, um mich auf die kommende Woche vorzubereiten, bedeutet das weniger Arbeit am Wochenende und obendrein erheblich weniger Stress am Montag. Klingt gut? Dann seid dabei! Hier kommt mein Masterplan.

 

Schon am Freitag die To-do-Liste für Montag machen

In der oben erwähnten Studie zum Thema Produktivität hat sich gezeigt, dass der Montag nur der zweitproduktivste Tag der Woche ist, nicht der produktivste. Ich bin mir sicher: Das liegt daran, dass man einen Großteil des Montags damit verbringt, die To-dos für die Woche zu planen.

Dabei ist der Montag denkbar schlecht für die Wochenplanung geeignet. Warum? Naja, am Freitag wisst ihr noch ganz genau, was gemacht werden muss und welche Aufgaben Priorität haben. Am Montag ist das alles nur noch eine verschwommene Erinnerung und viele Details sind komplett in Vergessenheit geraten. Hinzu kommt, dass meistens zum Wochenstart eine Menge neue Aufgaben und E-Mails von anderen produktiven Leuten auf euch einprasseln.

Die Lösung: Statt am eigentlich total produktiven Montagmorgen stundenlang zu überlegen, was ihr eigentlich vorhattet, könnt ihr mit einer fertigen To-do-Liste direkt durchstarten.

Deshalb schreibt am besten schon freitags alles auf, was in der kommenden Woche erledigt werden muss. Und bringt die To-dos auch gleich in die richtige Reihenfolge, sodass ihr am Montagmorgen sofort mit dem Wichtigsten loslegen könnt. Ich persönlich nutze dafür Trello, aber ihr könnt auch jedes andere Tool zur Hilfe nehmen – oder euch ganz einfach auf Stift und Papier verlassen.

Wichtig ist nur, die Stichpunkte nicht allzu kurz zu halten. Auch wenn ihr am Freitag noch ganz genau wisst, was ihr mit „Chris anrufen“ meint – am Montag fragt ihr euch doch, was zur Hölle ihr noch mal von Chris wolltet. Oder welchen Chris ihr überhaupt meintet (so ist es mir passiert).

Ein weiterer Pluspunkt einer solchen Liste ist, dass ihr den Kopf vor dem Wochenende freibekommt und nicht die ganze Zeit befürchtet, bis Montag irgendwas zu vergessen. Ihr werdet sehen, was das für ein befreiendes Gefühl ist.

 

Einen Wochenrückblick machen

Vielleicht kommt euch der Vorschlag im ersten Moment wie Zeitverschwendung vor, aber seid euch gewiss: Es kann total sinnvoll sein, sich am Freitag aufzuschreiben, was man in der zurückliegenden Woche alles gemacht hat – sei es für das Montagsmeeting mit den Kollegen oder nur für sich selbst. Auch hier gilt: Was uns am Freitag noch ganz selbstverständlich vorkommt, haben wir am Montag höchstwahrscheinlich längst vergessen. Deswegen wartet mit dem Aufschreiben lieber nicht bis zum Wochenbeginn.

Und ich habe noch einen anderen Vorteil festgestellt: So ein Rückblick gibt einem ein echt gutes Gefühl! Es ist doch so: Nur allzu oft denken wir daran, wie viel noch zu erledigen ist, machen uns aber nur selten bewusst, was wir bereits alles geschafft haben.

Das trifft besonders auf Selbstständige zu, denn sie haben normalerweise nicht viele Leute um sich, die ihnen ab und zu auf die Schulter klopfen. Grundsätzlich gilt es aber für alle: Sich seine Leistungen bewusst zu machen ist der beste Start in ein gut gelauntes Wochenende.

Ihr findet die Idee spannend? Dann schaut euch doch mal dieses Video der Harvard-Business-School-Professorin Teresa Amabile an. Sie veranschaulicht darin, warum es uns glücklicher und produktiver macht, wenn wir uns unsere kleinen und großen Fortschritte vergegenwärtigen.

 

Freitags um Gefallen bitten

Und nun möchte ich mit der Annahme aufräumen, man solle freitags niemanden um einen Gefallen bitten, weil quasi alle auf dem Sprung ins Wochenende sind. Im Grunde ist das nämlich der beste Grund dafür, es eben doch zu tun.

Denn: Die Leute denken ja an ihr bevorstehendes Wochenende und nicht an die anstehenden To-dos. Deshalb sind die meisten in guter Stimmung und gehen großzügig mit ihrer Zeit um – schließlich ist die kommende Woche noch fern. Außerdem gibt deine Anfrage am Freitag dem anderen die Chance, die Aufgabe noch in seine eigene To-do-Liste aufzunehmen, statt am Montag mit dieser und weiteren Anfragen bombardiert zu werden (siehe oben).

Worauf es ankommt ist, dass die meisten Leute am Freitag einfach eher „ja“ sagen. Durchtrieben? Vielleicht. Effektiv? Auf jeden Fall ;)

 

Ein Dankeschön vergeben – oder zwei oder drei …

Wenn ihr gerade dabei seid, auf die Woche zurückzublicken, dann nutzt die Gelegenheit doch auch gleich, um euren Kollegen zu zeigen, wie sehr ihr sie schätzt. Robert Locke von Lifehack hat einen super Vorschlag: Sendet jeden Freitag einem Kollegen ein kurzes Dankeschön. Keine Sorge, ihr braucht nicht sentimental zu werden, aber wenn es etwas gibt, wofür ihr jemandem danken möchtet, dann tut es doch einfach! Das sorgt für gute Stimmung und gibt auch dem Kollegen ein positives Gefühl mit ins Wochenende.

Aber denkt daran: Es geht hier nur um ein kleines Dankeschön, nicht um eine Feedback-Session! Spart euch ausführliche Kritik – auch wenn sie konstruktiv ist – für den Wochenbeginn, sonst hat der andere vielleicht das ganze Wochenende an euren Worten zu knabbern. Und das ist das Gegenteil von dem, was ihr erreichen möchtet.

 

Neue Ideen aushecken

Viele Leute behaupten ja, Freitag sei der schlechteste Tag, um etwas Neues zu beginnen, weil man einfach schon zu ausgelaugt von der Woche ist. Großer Irrtum, denn tatsächlich ist der Freitag perfekt, um an die Zukunft zu denken und darüber zu sprechen. Warum das? Ganz einfach: Die meisten Leute sind freitags viel entspannter und offener für verrückte Ideen, als an anderen Wochentagen. Genau die richtige Stimmung also, um herumzuspinnen oder darüber nachzudenken, was man wirklich möchte. Am Wochenende ist dann genug Zeit, um noch einmal darüber zu schlafen. In der Regel führt das am Montag zu den besten Ideen.

 

Das Wochenende genießen

Kürzlich gab es im New Yorker einen ziemlich guten Cartoon. Er zeigte einen Mann am Schreibtisch, der sich fragt: „Wie war das noch, arbeite ich zu Hause oder wohne ich im Büro?“

Das kommt euch bekannt vor? Dann solltet ihr euch daran erinnern, dass einer der besten Lifehacks in Sachen Produktivität lautet: Nehmt eine Auszeit und ladet eure Batterien auf! Nicht umsonst schreibt das Entrepreneur Magazine: „Die Arbeit bei der Arbeit zu lassen ist eine der wichtigsten Strategien für (mentale) Erholung – und gleichzeitig eine der schwierigsten. Pausenlos zu arbeiten ist eine schlechte Angewohnheit, die eine Gefahr darstellt für das Geschäft, für die Gesundheit und für das Leben, auf das man gewöhnlich hinarbeitet.“

So, das waren ein paar Tipps, die mir persönlich dabei geholfen haben, den Freitag zu meinem liebsten Tag der Arbeitswoche zu machen. Und das nicht, weil er so „entspannt“ ist, sondern weil seine Andersartigkeit mir die Chance gibt, in mich zu gehen, Kraft zu tanken und mich auf einen vielversprechenden und weniger hektischen Montag vorzubereiten.


Und – was macht euren Freitag zu einem besonderen Tag? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!