Kennt ihr euren inneren Rupert?

Manchmal sind wir leider viel zu gut darin, gute Ideen mit Selbstzweifeln zu zerlegen. Wie man kreativ mit den eigenen Zweifeln umgehen kann, erzählt euch heute unsere Kollegin Svenja. Neben ihrem Job bei Jimdo im „Story-Team“ betreibt sie auch den erfolgreichen DIY-Blog flcty.com.

Neulich war es mal wieder soweit. Voller Enthusiasmus und mit einer super Idee im Hinterkopf machte ich mich daran, einen neuen Post für meinen DIY-Blog, in die Tasten zu tippen, den ich neben meinem Job bei Jimdo noch betreibe. Nach zwei Minuten war Schluss. Nicht, weil ich unglaublich genial bin und so schnell schreiben kann, sondern weil sich diese Stimme wieder meldete. Diese kleine innere Nörgelstimme, die vor allem ein Lieblingsopfer hat: mich selbst.

“Hmmmm, meinst du, das ist wirklich eine gute Idee?”, sagte die Stimme. “Darüber haben doch schon viele andere Blogger geschrieben, und überhaupt: Deren Bilder sind immer viel schöner als deine, die Texte sind kürzer, knackiger und witziger. Vielleicht lässt du es lieber sein. Außerdem guck mal, die Fenster könnten auch mal wieder geputzt werden.”

Tags darauf klagte ich meinen Teamkollegen mein Leid und fand zu meinem großen Erstaunen jede Menge Gleichgesinnte: “Ja, diese Stimme kommt bei mir auch viel zu oft durch – das nervt – wir sollten etwas dagegen tun!” So reifte der Gedanke: Wenn sie bei uns schon so ausnahmslos auftaucht – vielleicht gibt es ja dann noch viel mehr Leute da draußen, die diese Stimme kennen. Und mit denen wir teilen können, wie wir ab sofort mit genau diesem inneren Nörgler umgehen wollen.

Wir glauben nämlich, einen ganz guten Weg gefunden zu haben: Um die Stimme weniger demotivierend zu gestalten, haben wir ihr einfach ein Gesicht und einen Namen gegeben . Warum? Weil wir dem Nörgler in uns auf diese Weise mit Humor begegnen können. Meine Damen und Herren, darf ich vorstellen: Rupert.

 

Hallo Rupert!

Also Rupert. Rupert wer? Rupert-unsere-innere-Stimme-Rupert (nicht im schizophrenen Sinne), der Selbstzweifel, Ängste und eine Menge Vorsicht verkörpert. Rupert ist also so eine Art innerer kleiner Rüpel und überängstlicher Aufpasser, dessen Glas eher knapp unter halb leer ist, der für uns gerne mal die negative Sicht der Dinge übernimmt und der leider wahnsinnig gut darin ist, uns einzureden, dass wir besser dran sind, wenn wir auf Nummer Sicher gehen, nichts Neues wagen und lieber mal schön in der wohlig-gemütlichen Komfortzone bleiben. Da fühlt er sich wohl, da kennt er sich aus. Das ist Rupert.

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Rupert gezeichnet von Noam Weiner.

“Na, kommt da schon wieder Rupert durch?” Mittlerweile hat sich der Spruch in unserem Team sogar schon eingeschlichen. Und zwar kommt er immer dann, wenn jemand die Dinge mal wieder von der schlechten Seite sieht. Ihr glaubt es nicht, aber oft bewirkt es schon kleine Wunder, sich so ein wenig auf die Schippe zu nehmen.

Man könnte die ganze Rupert-Sache übrigens auch positiv formulieren (schließlich sind wir ja nicht Rupert, er schlummert nur in irgendeiner unserer Hirnwindungen, wacht gelegentlich auf und meldet sich): Rupert meint das eigentlich gar nicht böse – er meint es gut. Er macht sich nur Sorgen um uns, will uns beschützen und darauf aufpassen, dass wenn wir uns zu weit vorwagen, wir nicht enttäuscht zurück kriechen müssen und uns weh tun.

Aber wie das so ist, das Gegenteil von “gut” ist oft “gut gemeint” und was er leider immer wieder vergisst: So schön warm und muckelig es in der Komfortzone auch ist: Irgendwann gibt es hier keine neuen Erfolgserlebnisse mehr, wir entwickeln uns nicht weiter und werden unzufrieden. Der innere Rupert wächst nach außen! Also lasst uns Rupert lieber beibringen, dass es auch Pflaster gibt und man pusten kann, wenn man sich mal außerhalb der Komfortzone das Knie aufgeschlagen hat.

 

Kill him with Kindness

Bei manchen Menschen scheint sich der Rupert dauerhaft in einem gemütlichen Winterschlaf zu befinden. Das sind die Menschen, die wir für ihren Mut, ihre Entschlossenheit, ihre Risikofreude oder ihr Selbstbewusstsein bewundern. Oder vielleicht haben diese Leute auch nur bereits gelernt, besser mit ihrem Rupert umzugehen und wissen, wie sie seine Meinung einschätzen und wann sie sie auch mal getrost ignorieren können. Und wir sind überzeugt, dass wir alle lernen können, mit unserem ganz persönlichen kleinen inneren Nörgelfritzen besser umzugehen.

Wenn ihr euch zum Beispiel nächstes Mal dabei ertappt, dass ihr gerade euer Eigenwerk nicht gut genug findet (Zum Beispiel habt ihr euch so wie ich an einem neuen Blog-Artikel für eure Webseite gearbeitet? Neue Bilder für euren Online-Shop gemacht und nicht sicher, ob ihr die Artikel so online stellen wollt? Einen neuen “Über mich”-Text geschrieben und es fühlt sich irgendwie komisch an?), dann befolgt doch spaßeshalber mal folgende Tipps:

  1. Frage: Wer spricht da gerade die Kritik aus – seid ihr es oder ist es Rupert?
  2. Falls Letzteres: Macht euch richtig bewusst, dass da gerade euer innerer Rupert seine Stimme erhoben hat und denkt immer daran: Einem derartigen Rüpel begegnet man mit Liebe. In dem Fall: Selbstliebe – Stichwort “Kill him with Kindness”.
  3. Denkt dran: Rupert meint es nicht böse, er macht sich nur Sorgen und hat Angst, dass man auf die Nase fällt. Beruhigt ihn und schickt ihn wieder schlafen. Ihr könnt ihm ja noch verraten, wo der Verbandskasten liegt – für den Fall der Fälle.
  4. Stellt euch vor, Rupert wäre ein guter Freund von euch, der sich nicht traut, vor der Welt blank zu ziehen – zum Beispiel in Form seines neuen “Über mich”-Texts auf der Webseite. Was würdet ihr ihm raten? Würdet ihr ihn nicht ermutigen und ihm sagen, dass er den Schritt wagen soll, dass es gut für ihn, seine Webseite, seine Sichtbarkeit im Netz und so weiter ist? Die gleichen ermutigenden Worte dürft ihr ruhig auch euch selbst bzw. eurem Rupert zurückspielen.

Wir alle haben immer mal wieder Angst, uns weiter vorzuwagen. Manche mehr, manche weniger. Ich persönlich mag meine Komfortzone eigentlich auch ganz gerne. Sich selbst jedoch vorzustellen, dass in jedem von uns ein kleiner Rupert schläft, der ab und zu aufwacht und “VOOOORSICHT” ruft oder uns zurückhalten will, macht es leichter, mit negativen Gedanken umzugehen und die gemütliche Koje auch mal zu verlassen. Denn dauerhaft bleiben wir darin nicht glücklich.

Wir können mit unserem inneren Rupert einen Dialog führen, ihn besänftigen und zumindest kurzfristig seine halb leere Tasse wieder halb voll machen. Für den Moment. Der nächste Rupert kommt bestimmt – und dann sind wir gewappnet und begrüßen ihn mit offenen Armen und freundlichen Worten!

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Zugegeben: Wir haben uns ein bisschen in Rupert verliebt. Genau deshalb (und weil Verdrängung dauerhaft nie gut geht), wollen wir ihn nicht länger ignorieren, sondern werden euch in Zukunft öfter Geschichten aus Ruperts Leben und wie wir mit ihm umgehen können erzählen – vielleicht erkennt sich der eine oder andere ja auch darin wieder (wie gesagt, in unserem Team gab es eine 100 Prozentige Trefferquote). Geschichten, die hoffentlich ein wenig motivieren und Mut machen.

Außerdem sind wir natürlich gespannt und freuen uns, wenn ihr eure Rupert-Geschichten mit uns teilen wollt. Was sagt euer Rupert manchmal zu euch? Und wie reagiert ihr auf ihn?

Viele Grüße,
Svenja