Neben einem ansprechenden Design und einer übersichtlichen Struktur sind hochwertige Produktfotos das A und O eines erfolgreichen Online-Shops. Schließlich möchtet ihr eure Kunden dazu animieren, eure Waren zu kaufen – und das Auge kauft mit!

Es ist nicht immer nötig, einen professionellen Fotografen dafür hinzuzuziehen. Mit einem Budget von 5€ und 10 Minuten eurer Zeit könnt ihr mithilfe einer selbstgebauten Leuchtbox ansprechende Fotos schießen – mit eurem Smartphone! Wie das funktioniert, erkläre ich euch jetzt. Am Ende des Artikels gibt es noch ein paar Einsteiger-Tipps für eine passende Bildbearbeitung!


1 – Wir bauen eine Lightbox!

Moment, was ist das überhaupt?

Die Lightbox (manchmal auch Leuchtbox genannt) ist ein wichtiges Hilfsmittel für Fotografen. Damit ist es möglich, Objekte gleichmäßig auszuleuchten, sodass man gute Produktbilder machen kann. Durch die weiße Umgebung ist es dann auch gar nicht schwer, die Produkte freizustellen.

Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen, zum Beispiel mobil, um sie mitnehmen zu können, oder im Studio fest installiert – das ist bei größeren Lichtboxen oft der Fall.

Mit ein paar wenigen Handgriffen könnt ihr euch ganz einfach ein kleines Basismodell selbst bauen. Die Fotos könnt ihr mit einer Kamera oder sogar einfach mit dem Smartphone schießen. Hinterher könnt ihr die Bilder noch mit einem Bildprogramm bearbeiten, um den Hintergrund ganz weiß zu bekommen.

Schaut euch an, wie meine Kollegin Julia die Lightbox baut und verwendet:

Das braucht ihr:

  • einen alten Karton
  • Klebeband
  • Cutter/Teppichmesser
  • weiße Servietten
  • ein großes weißes Plakat (zum Beispiel die Rückseite eines festen Posters, großformatiges Foto-Papier, etc.)
Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightbox

Dieses Material braucht ihr für eure eigene DIY-Lightbox.

 

Zückt den Cutter, jetzt geht’s los!

Schritt 1: das Gestell

Mit dem Teppichmesser schneidet ihr die „Flügel“ des Kartons auf einer Seite ab. Dadurch habt ihr jetzt einfach eine kleine Papp-Kiste mit einer Öffnung. Stellt die Box nun so hin, dass die Öffnung zu euch zeigt. Schneidet nun drei Seitenwände aus. Achtet dabei darauf, ungefähr 7cm Rand stehen zu lassen. Es ist total okay, wenn die Schnitte nicht ganz gerade und akkurat sind.

Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightbox

Das ist das Gerüst eurer Lightbox, auf das wir im nächsten Schritt die weißen Seitenwände aus Servietten spannen.

 

Schritt 2: die transparenten Wände

Nun schneidet ihr die Servietten/das Küchenpapier auf die ungefähre Größe der Löcher zurecht. Klebt den Zellstoff so an die Box, dass er die Aussparungen der drei Seiten verdeckt. Durch die Servietten wird das eintreffende Licht weichgezeichnet und gestreut. Dadurch vermeiden wir Schlagschatten und harte Kanten auf den Objekten.

Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightbox

Durch die Servietten fällt dann genug Licht, um eure Produkte gleichmäßig in der Lightbox auszuleuchten.

 

Schritt 3: die Präsentationsebene

Schneidet das Posterpapier auf die Breite der Box zurecht. Stellt dabei sicher, dass der Bogen lang genug ist, um vorn aus der Box herauszuragen – das wird der Fotohintergrund eures Objekts. Klebt nun das eine Ende des Plakats von innen an die obere Kante eurer Lightbox: nun biegt sich der Posterkarton wie eine kleine Sprungschanze. Durch das Fehlen von Kanten wirkt der Hintergrund auf den Fotos später „endlos“. Falls sich das Posterpapier am unteren Ende zu sehr zusammenrollt, könnt ihr es auch dort noch einmal mit ein paar Streifen Klebeband fixieren.

Fertig ist die Lightbox!

Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightbox

Durch die Servietten fällt dann genug Licht, um eure Produkte gleichmäßig in der Lightbox auszuleuchten.

 

Ran an die Kamera oder das Smartphone!

Jetzt geht es an die Fotografie. Am Besten stellt ihr die Lightbox an eine natürliche Lichtquelle – zum Beispiel an ein großes Fenster oder auf den Balkon. Ist das nicht möglich, könnt ihr auch eine Schreibtischlampe über der Box platzieren.

Natürliches Tageslicht ist künstlichem Licht überlegen – es sei denn, ihr möchtet durch Schatten einen dramatischeren Effekt erzielen. In diesem Fall könnt ihr zusätzlich noch von schräg vorne in die Lightbox hineinleuchten. Achtet in beiden Fällen darauf, dass der Blitz an eurer Kamera oder an eurem Smartphone deaktiviert ist.

Stellt euer Produkt in die DIY-Lightbox und knipst los!

Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightbox

Julia schießt hier ein paar Testfotos mit ihrer Spiegelreflex-Kamera.

Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightbox

Auch mit dem Smartphone erzielt ihr professionelle Ergebnisse

Das Schöne an der Lightbox: eure Produktfotos sehen professionell aus – auch, wenn ihr keine Spiegelreflex-Kamera, sondern die Kamera-Funktion eures Smartphones nutzt. Julia zeigt euch anhand zweier Beispiele die verschiedenen Setup-Möglichkeiten im Vergleich:

1. Canon Spiegel-Reflex, keine Lightbox

Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightbox Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightbox

2. Canon Spiegel-Reflex, mit Lightbox

Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightbox Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightbox

3. iPhone 5 Kamera, mit Lightbox

Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightbox Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightbox

Think outside the (Light-)Box!

Die Lightbox ist in Kombination mit Nahaufnamen eine gute Möglichkeit, euren Kunden die Details eures Produktes ohne störenden Hintergrund zu präsentieren. Fotografiert eure Produkte von verschiedenen Winkeln aus, damit sich die Besucher eures Online-Shops ein gutes Bild davon machen können, was ihr anbietet.

Viele Kunden lieben es auch, die Produkte in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen – außerhalb der Lightbox. Bei einem Rucksack wäre das zum Beispiel ein Foto, auf dem man ihn auf dem Rücken einer Person sieht, ein Plaid würde man vielleicht auf einem Sofa drapieren usw. Durch solche stimmungsvoll inszenierten Fotos bekommen die Betrachter eine gute Vorstellung dafür, wie sich das Objekt ihrer Begierde in den eigenen vier Wänden macht.

Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightbox

Wir setzen unseren kleinen Kaktus in Szene und schaffen dadurch eine dichte Atmorphäre auf dem Foto.

2 – Bildbearbeitung

Schatten entfernen & Fotos freistellen

Wie ihr oben seht, sind auf den Bildern noch leichte Schatten zu erkennen. Je nach Geschmack kann man das dennoch hübsch finden, oder aber man möchte das Objekt komplett freigestellt auf weißem Hintergrund präsentieren.

Mit Bildbearbeitungsprogrammen wie Gimp (gratis) und Photoshop (kostenpflichtig) könnt ihr durch ein paar kleine Einstellungen die Schatten entfernen. Ich zeige euch das hier am Beispiel Gimp, jedoch ist das Prinzip bei Photoshop dasselbe. Als Beispiel verwende ich das Canon-Lightbox-Foto von Donkey Kong.

1. Den Hintergrund mit Gradatationskurven aufhellen

Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightbox
Hinter dem sperrigen Begriff Gradatationskurven versteckt sich eine sehr nützliche Funktion in Photoshop und Gimp. Ihr ruft damit Kurven auf, mit deren Hilfe ihr die Tonwerte und Kontraste eures Bildes flexibel ändern könnt. Über Gimp erreicht ihr diese Funktion im Menü über  Farben > Kurven. Bei Photoshop findet ihr sie in der Menüleiste unter Bild > Korrekturen > Gradatationskurven.

Ihr seht, dass das Foto noch einen leichten Grauschleier hat. Um ihn loszuwerfen, macht ihr nun folgendes:

Greift mit der Maus das rechte obere Ende der Kurve (dort ist ein kleiner Kreis) und schiebt dieses Ende bei gedrückter Maustaste weiter nach links. Wie durch Zauberhand verschwindet der Grauschleier, der Hintergrund wird weiß!

1. Vorher

Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightboxa

Hier ist der Hintergrund noch voller diffuser Schatten und meilenweit von einem reinen Weiß entfernt.

2. Nachher

Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightboxa

Durch das Verschieben ändern sich die Tonwerte – der Das Bild wird heller, die Schatten im Hintergrund verschwinden fast vollständig.

Mit dem linken unteren Ende der Kurve steuert ihr übrigens die dunklen Töne. Spielt ruhig etwas mit der Kurve herum, damit ihr euch an die Bedienung gewöhnt.

So. Unser Bild sieht ja schon ganz gut aus – dennoch sind ein paar Schatten stehengeblieben. Wie werden wir die nun los? Wir möchten ja schließlich einen komplett weißen Hintergrund haben.

 

2. Hartnäckige Schatten mit dem Maskentool entfernen

Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightboxa

Mit Gimps Masken-Tool machen wir auch noch den beharrlichsten Schatten den Garaus. Wählt in der Werkzeugleiste von Gimp dafür die Rechteck-Maskeaus. Nun geht ihr damit in eurem Bild zu den Ecken, die noch nicht ganz schattenfrei sind, spannt die Maske auf (Maustaste gedrückt halten und die Maus bewegen) und markiert den Bereich, den ihr loswerden möchtet…

Löscht den Inhalt der Maske, indem ihr den Bereich mit CMD+X (Mac) oder Strg+X (Win) ausschneidet – fertig!

Links: noch mit Schatten. Rechts: nach dem Ausschneiden.

 

Ergebnis:

Professionelle Produktfotos mit einer DIY-Lightbox

Das Objekt ist jetzt komplett freigestellt.

Tadaaa – Donkey Kong ist freigestellt! Ich empfehle euch, die Schatten um den Boden des Objekts herum nicht zu entfernen. Wenn man diese leichten Schattierungen stehen lässt, gibt das dem Bild eine schöne Räumlichkeit.

Eine Alternative zur Masken-Funktion ist übrigens auch, die übrig gebliebenen Rest-Schatten mit dem Pinsel (Härtegrad 0) und weißer Farbe zu entfernen. Probiert einfach aus, welche Methode für euch am Besten funktioniert.


Na, wie gefallen euch unsere Tipps für professionelle Produkt-Fotos? Habt ihr es schon ausprobiert? Ich bin gespannt auf eure Antworten!