Selbermachen oder delegieren? Das ist hier die Frage!

Als Selbstständiger, Kleinunternehmer, Freelancer, Gründer und so weiter ist man erstmal vor allem eins: für alles im eigenen Laden zuständig. Sowohl für die Chefaufgaben als auch für die “Praktikantenaufgaben”, für die Aufgaben, mit denen man sich gut auskennt bis hin zu denen, in die man sich reinwühlen oder zwingen muss. Wer soll es sonst machen?

Für den Anfang ist das logisch. Dann kommt jedoch meist irgendwann der Punkt, an dem man lernen muss, Dinge auch abzugeben. Damit man sich wieder voll auf sein eigentliches Kernbusiness fokussieren kann. Wie merkt man, was man “outsourcen”, und was man selber machen kann?

 

Richtig priorisieren als Selbstständiger

Eine, die sich damit gut auskennt, ist Alina (ihr seht sie oben im Bild). Neben ihrer Arbeit bei Jimdo ist sie erfolgreich als Hochzeitsfotografin in Hamburg und der ganzen Welt unterwegs. Während der Saison für Hochzeiten, also von April bis Oktober, geht es rund. Es stehen Hochzeiten an, Bilder wollen zügig bearbeitet werden, parallel gibt es Vorgespräche für die kommende Saison und so weiter. Klingt anstrengend – und vor allem schwierig, alles ganz alleine zu meistern.

Als Workaholic, der sie ist, würde Alina am liebsten alles selbst bewerkstelligen. Sie liebt ihre Arbeit und ist immer mit voller Leidenschaft am Werk – egal, ob bei Jimdo oder für ihre Fotografie. Und eines war ihr schon von Anfang an klar: Damit sie ihren Kunden immer genau die Energie und Leidenschaft entgegenbringen kann, die sie von sich selbst erwartet, achtet sie auch stets darauf, eine gesunde Work-Life-Balance einzuhalten. Als Selbstständige ist das jedoch gar nicht so leicht, wie es erstmal klingt.

Alinas Rat daher: “Lernt auf jeden Fall zu priorisieren, Dinge abzugeben und zu automatisieren.” So macht man sich als Selbstständiger das Leben um einiges leichter.

Wir haben Alina zum Thema „Outsourcing“ einige Fragen gestellt. Hier ist das Interview:

Wann sollte ich als Selbstständiger darüber nachdenken, Aufgaben abzugeben?

Alina: Ein Warnsignal, dass man seine Arbeitsabläufe und Prioritäten überdenken sollte, ist, wenn man seinen Lebenspartner oder seine Freunde nicht mehr sieht und das Gefühl aufkommt, nichts mehr für sich selbst machen zu können. Wenn es auf die Gesundheit geht, wenn man sich ausgelaugt und energielos fühlt. Wenn das also passiert, dann weiß man, dass man die eigenen Grenzen noch mal abstecken muss. Das Gleiche gilt, wenn man nicht mehr genug Zeit und Muße für den eigentlichen Job hat, weil zu viele Nebenaufgaben anstehen. Dann kann man sich fragen: Was können andere davon vielleicht besser erledigen, als ich selbst?

Wie kann man das schaffen?

Mein Tipp: Auch als Selbstständiger Feierabend machen. Bei mir ist zum Beispiel ab spätestens 23 Uhr Schluss mit Arbeit. Da ich ja für die Fotografie auch viel nach der Arbeit unter der Woche mache, ist es wichtig, da eine konkrete Grenze zu haben. Und so banal es klingt: Ausreichend Schlaf bekommen, Sport machen und gesund essen!

Wie priorisierst du deine Tasks?

Leider immer noch zu schlecht, wenn ich ehrlich bin. Ich kann schlecht NEIN sagen, bin viel zu begeisterungsfähig und würde am liebsten alle Aufträge annehmen, die mich interessieren.

Gerade bei zwei Jobs, bei denen man 100 Prozent geben will, muss man das dann aber doch lernen. Hilft nix! Ich habe zum Glück ein großartiges Netzwerk an anderen Fotografen, an die ich Aufträge abgeben kann. Dann fühlt sich das Nein gar nicht so sehr wie ein Nein an: Ich weiß, dass ich den Brautpaaren tolle Fotografen empfehle und freue mich außerdem, wenn ich meinen Kollegen Aufträge weitergeben kann. Andersrum funktioniert das Netzwerk natürlich genauso.

Und mein Terminplaner ist mein bester Freund! Ich habe gelernt, sehr konsequent zu planen und ehrlich zu mir und zu potenziellen Auftraggebern zu sein. Eine ehrliche Selbstorganisation hilft also auch sehr bei der Priorisierung!

Website von Alina Atzler Photography

Bei ihren vielen Aufträgen muss Alina genau planen und priorisieren. Denn bei ihr gilt: Wenn, dann richtig. Unter „Portfolio“ könnt ihr euch ausgewählte Hochzeitsreportagen von Alina ansehen.

Welche Dinge gibst du konsequent ab?

Auf jeden Fall die Buchhaltung und Steuererklärung. Es würde mich so viel Zeit kosten, alles richtig zu machen, dass es am Ende günstiger ist, das Geld für einen Profi zu investieren.

Was kann man als Fotograf außerdem noch abgeben?

Was ich NICHT abgeben kann, ist die Kommunikation mit meinen Paaren. Da kann ich noch eher die Bildbearbeitung in der Hochsaison abgeben. Eine gute Vorab-Kommunikation hingegen spart mir im Nachhinein eine Menge Zeit.

Aber um zur Frage zu kommen: Eine weitere Sache, die ich gerne abgebe, ist die Reiseplanung. Das kann mein Mann zum Glück super und er hat auch mehr Spaß daran als ich. In Zukunft würde ich zudem gerne alles rund ums Marketing, Social Media, das Schreiben von Blogposts und SEO abgeben wollen. Ich bin sicher, hier können mich andere noch viel besser unterstützen.

Stichwort Automatisierung. Wie kannst du dir in der Hinsicht das Leben leichter machen?

Das sind lauter Kleinigkeiten, die aber insgesamt einen großen Unterschied machen. Ich bin gut vorbereitet und habe verschiedene E-Mail-Vorlagen, zum Beispiel für Absagen oder die Empfehlung anderer Fotografen.

Ich habe zudem stets aktuelle Preislisten und muss nicht jedesmal ein individuelles Angebot schreiben. Außerdem habe ich Fragebögen für meine Brautpaare, zum Beispiel zum Ablauf der Hochzeit, sodass ich meinen Arbeitstag dann optimal planen kann.

Ich hinterfrage auch immer wieder meinen eigenen Tagesablauf und meine Arbeitsprozesse. Heute brauche ich zum Beispiel für eine bestimmte Aktion in Lightroom nur noch ein paar Sekunden, was mich früher 2 Minuten gekostet hat. Seine eigenen Tools also wie die Westentasche zu kennen und innerhalb der Tools die Abläufe zu automatisieren und zu verbessern – enorm hilfreich!

Ein Tipp zum Schluss für alle vielbeschäftigten Selbstständigen?

Behaltet die Freude an dem, was ihr macht! Geht sie verloren, stellt nicht gleich euer Business infrage, sondern überlegt, wie ihr eure Arbeitsabläufe so gestalten könnt, damit es wieder Spaß macht!


Liebe Alina, vielen Dank für deine Tipps!

Euch können wir natürlich ans Herz legen, mal einen Blick auf Alinas Website und ihre wunderbare Fotografie zu werfen. Wie sind eure Erfahrungen mit dem “Outsourcing” von Aufgaben? Habt ihr Tipps für andere Gründer? Wir freuen uns auf eure Kommentare.