So hat sich Jimdo-Nutzer Chris selbstständig gemacht: Blut, Schweiß und Bartöl!

Dass ich über The Old Norse gestolpert bin, war reiner Zufall. Ich stöberte durch verschiedene Jimdo-Seiten – und entdeckte dann auf einmal diese Versandbedingungen. Da musste ich laut loslachen! Ich wusste sofort, dass die Person, die diese Texte geschrieben hat, einen großartigen Sinn für Humor hat.

Da lag ich zum Glück richtig: Chris Clarke aus Norwich in England war drauf und dran, ein erfolgreicher Manager zu werden. Doch er entschied sich anders. Denn er hatte eine Idee, Sehnsucht nach Unabhängigkeit – und einen Bart. Was lag also näher, als seine Schwäche für Wikinger, Freiheit und Bärte zu kombinieren?

Chris entschloss sich, eine eigene Bartpflegeserie zu entwickeln – und nur noch halbtags weiter in seinem regulären Job zu arbeiten. Ich habe Chris über seine Idee, seinen Weg in die Selbstständigkeit und seine Liebe zur Wikingerkultur einige Fragen gestellt!


Chris, als was hast du gearbeitet, bevor du dein eigener Chef geworden bist?

Chris: Ich war im Management einer Supermarktkette tätig und hatte mich nach und nach von der Aushilfe zum Abteilungsleiter hochgearbeitet. Als ich jedoch kurz davor stand, die nächste Stufe der Karriereleiter zu erklimmen, fragte ich mich plötzlich, ob ich überhaupt noch weiter in die Höhle des Löwen hineinkriechen möchte, oder nicht doch lieber wieder hinaus… Jetzt arbeite ich nach wie vor halbtags im Supermarkt, konzentriere mich daneben jedoch auf mein eigenes Projekt!

Woran hast du gemerkt, dass du ein eigenes Unternehmen aufbauen möchtest?

Wenn man jung ist und sich für einen Beruf entscheiden soll, ist es schwer sich auszumalen, was man später einmal machen möchte. Nach meinem Abschluss für die Supermarktkette zu arbeiten war total okay, ich konnte meine Rechnungen bezahlen und das Arbeitsumfeld war nett. Doch irgendwann begann ich zu überlegen, in welche Richtung es stattdessen weitergehen könnte. Etwas zu haben, für das ich die volle Verantwortung trage, und nicht mehr nur ein kleines Rädchen im Getriebe einer großen Maschine zu sein, war und ist für mich ein großer Antrieb dabei. Man könnte sagen, ich bin jetzt selbst die Maschine – und auch das Rädchen und das Öl.

Abteilungsleiter? Nö, selbstständig!

Erinnerst du dich an den Moment, in dem du das feststelltest?

Ja, diesem Moment gab es tatsächlich! Ich saß am Schreibtisch, ging meine Unterlagen durch und gab die wöchentlichen Löhne und Urlaubstage der Mitarbeiter ein. Dann kam mein Vorgesetzter herein und teilte mir mit, was ich noch so zu tun hätte. Und plötzlich war da dieser Augenblick, in dem ich mich fragte: „Warum machst du eigentlich noch diesen Job, wenn du nicht mehr voll dahinter stehst?“

Ernsthaft, ich bin im selben Moment aufgestanden, zu meinem Boss gegangen und habe gekündigt. Kurz darauf gab ich meine Führungsposition auf und übernahm wieder den Job eines normalen Angestellten – aber mit einem Traum, mit einer Idee und mit Leidenschaft für ein eigenes Business. Meine Reise hatte begonnen.

Wie hast du dann losgelegt? Was waren die ersten Schritte?

Während ich weiter in Vollzeit arbeitete, verbrachte ich viele Abende und freie Tage damit, Rezepturen zu recherchieren, Düfte zu testen und Zutaten aufzuschreiben. Es war mir ganz wichtig, ein Produkt zu kreieren, das mich selbst begeistert und auf das ich stolz sein könnte. Mal ehrlich: Wenn ich schon nicht glücklich damit wäre, wie sollten es dann die Kunden sein?

Die Webseite von Chris und The Old Norse.

…und kanntest du dich schon im Bereich Kosmetik aus?

Eine der ersten Sachen, die ich lernte, war, dass die Welt der Kosmetik ein echtes Minenfeld ist. Mich in das Thema einzulesen war oft sterbenslangweilig, aber essentiell. Kosmetikprodukte müssen getestet werden und alle gesetzlichen Vorgaben erfüllen, deswegen ist es so wichtig, sämtliche Fallstricke kennen, bevor man eines entwickelt. Nur Dank dieser Vorarbeit habe ich es geschafft, mein Produkt tatsächlich erfolgreich auf den Markt zu bringen.

„Ich bin jetzt selbst die Maschine – und auch das Rädchen und das Öl.“

Was war noch wichtig, um deine Produkte bekannt zu machen?

Eine eigene Marke zu schaffen, ist generell kein Kinderspiel. Ein einzelnes Produkt genügte mir nämlich nicht. Da ich künstlerisch eher unbegabt bin, arbeitete ich mit Designern zusammen, um Logos, Etiketten und all diese Dinge zu entwickeln. Ich wollte sie mit Stolz auf mein Produkt kleben und auf meine Visitenkarten drucken lassen. Meiner Meinung nach sollte man keine Scheu haben, um Hilfe zu bitten, wenn einem etwas nicht so liegt. Die Last der Welt allein auf seinen Schultern zu tragen mag heldenhaft klingen, aber wenn einem andere unter die Arme greifen können, erleichtert es alles – und am Ende profitiert auch das Produkt davon.

Was ist das Schwierigste daran, für sich selbst zu arbeiten?

Zu wissen, ob das was man tut das Richtige ist. Da ich noch nie ein eigenes Unternehmen hatte, konnte ich nicht auf Erfahrungen zurückgreifen. Ich bin quasi mein eigenes Sicherheitsnetz. Klar, ich kann andere um Rat bitten und ihnen ein Loch in den Bauch fragen, aber am Ende habe ich allein die Entscheidung zu fällen. Da muss ich mich dann auf mein Gefühl verlassen. Das ist schwer, aber auch befriedigend – ich brauche keine langwierigen Prozesse zu befolgen und muss niemandem Rechenschaft ablegen.

Und was ist das Beste?

Sich klarzumachen, dass alles, was passiert, das Ergebnis eigener Arbeit ist. Mein Erfolg wird mir immer bleiben. Meine Fehlschläge zwar auch, aber selbst die sind auf lange Sicht wertvoll, denn sie verbessern mein geschäftliches Know-how. Sie tragen dazu bei, dass ich in Zukunft bessere Entscheidungen treffe. Und unter uns: Den ganzen Tag im Pyjama herumzulaufen, wenn mir der Sinn danach steht, gehört definitiv auch in die „Best of“-Kategorie.

Warum hast du dich entschieden, ausgerechnet Bartöl herzustellen?

Dort, wo ich gearbeitet habe, konnte man entweder glattrasiert sein oder einen Bart tragen. Ein Dreitagebart war hingegen ein absolutes No-Go. Das klingt vielleicht lustig, war es aber nicht: Wer ein paar Mal schlampig rasiert bei der Arbeit erschien, konnte sogar eine Kündigung kassieren!

Ich selbst nahm mir also extra zwei Wochen frei, um mir einen Bart wachsen zu lassen. Zwar kehrte ich mit dem kürzesten Bart aller Zeiten zurück, aber es war ein Bart. Mit der Zeit begann er allerdings zu jucken, doch ich blieb tapfer und suchte nach Produkten, die mir helfen könnten. Alles, was ich fand, gefiel mir nicht oder roch so, dass ich es ungern den ganzen Tag im Gesicht gehabt hätte. Ich beschloss also, etwas zu erfinden, was ich selbst gern benutzen würde.

Ich liebe dein Branding! Warum hast du diesen nordischen, wikingermäßigen Stil gewählt?

Ich hatte Island und Norwegen besucht und mich sofort in die dortige Kultur und den Lifestyle verliebt. Schon immer wollte ich am liebsten als Selbstversorger in einer Hütte im Wald leben, so wie die Wikinger damals. Okay, sie haben auch viel geraubt und geplündert, aber ihre Religion und ihre Werte faszinieren mich noch immer. Und gibt es ein besseres Sinnbild für Männlichkeit als muskulöse, bärtige Wikinger? Wohl kaum.

Welches war der Moment, in dem du als Unternehmer am stolzesten auf dich warst?

Ich war in der Zeitschrift GQ, ich war in verschiedenen Zeitungen und ich verkaufe mein Produkt online. Aber ich präsentiere sie auch selbst auf Märkten und stehe im direkten Austausch mit meinen Kunden. Echte Mundpropaganda – oder besser: Bartpropaganda.

Mein erstes Verkaufsgespräch werde ich nie vergessen: Ein Mann kam zu meinem Stand und sah sich die Produkte genau an. Er schnupperte an jedem einzelnen und fand schließlich den Duft, der ihm am besten gefiel: „Norwegian Fir“. Er sagte: „Ich liebe das, es erinnert mich an zu Hause.“ Ich frage mich, was er wohl für ein merkwürdiges Zuhause hat. Doch dann erzählte er mir, er komme aus Norwegen und mein Bartöl rieche genau wie der Wald dort. Zu wissen, dass ich ein Produkt erschaffen hatte, das so tiefe Emotionen bei jemandem auslösen kann, hat mich wahnsinnig stolz gemacht.

„Wenn du nach den Sternen greifst, musst du erst deine Hände leeren, um sie auch erwischen zu können.“

Was hast du aus der Erfahrung, dein eigenes Unternehmen zu gründen, gelernt?

„Rom wurde nicht an einem Tag erbaut“ – das beschreibt es wohl am besten. Man will alles möglichst schnell erreichen: Erfolg, Geld, Ruhm. Aber in Wahrheit kostet es viel Zeit und Arbeit, es tatsächlich zu schaffen.

 

Ein Halbtagsjob im Supermarkt, dazu deine Arbeit als Selbstständiger. Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei dir aus?

4 Uhr: Aufwachen und etwas in den sozialen Netzwerken posten. Social Media ist heute super wichtig, um erfolgreich Werbung zu machen. Deshalb bin ich mehrmals am Tag bei Twitter, Facebook, Instagram & Co. aktiv.

5 Uhr: Erst einmal steht morgens mein regulärer Job an. Dabei verbringe viel nebenbei Zeit damit, über meine Geschäfte und zukünftige Aktivitäten nachzudenken. Mittags gehe ich dann nach Hause und checke die Bestellungen.

13 bis 20 Uhr: Die Bestellungen verpacken und mit einer persönlichen Note versenden. Ich verpacke alle eingehenden Bestellungen selbst. Jedes Produkt bekommt eine schöne Geschenkverpackung und wird individuell beschriftet. Sind alle Pakete fertig, bringe ich sie zur Post und verschicke sie. Dann kümmere ich mich um die Produktion, bin zwischendurch auf Social Media aktiv und pflege den Kontakt zu Fachhändlern, Lieferanten und Kunden.

Danach: An meiner Webseite arbeiten, um mein Suchmaschinenranking zu verbessern, um immer am Puls der Zeit zu bleiben. Meistens bastle dann noch ein bisschen an meiner Webseite herum. Nutzerfreundlichkeit ist heute ein Muss, darum versuche ich, mich in der Hinsicht weiter zu verbessern. Ich aktualisiere meine Inhalte und kümmere mich um die Suchmaschinenoptimierung. SEO ist ein Bereich, in dem ich immer mehr dazuzulernen.

20 Uhr: An neuen Ideen arbeiten. Meine besser Hälfte geht schon um 20 Uhr zu Bett, sodass ich danach noch mal Gelegenheit habe, mich an den Rechner zu setzen und an meinen Zukunftsplänen zu werkeln. Eigentlich wäre das die Zeit, in der ich mit einem Becher Eiscreme vor dem Fernseher sitzen und „Westworld“ schauen sollte – aber ich entscheide mich freiwillig dafür zu arbeiten.

23 Uhr: Ab ins Bett! Gegen 23 Uhr gehe ich zu Bett und stehe um 4 Uhr wieder auf, um von vorn zu beginnen …


Ganz schön viel Disziplin, die Chris aufbringt, oder? Bewundernswert – und ein spannendes Projekt! Was denkt ihr über The Old Norse und Chris Entscheidung, „nebenbei“ selbstständig zu arbeiten? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Viele Grüße

Tara