Motivation, Mut, Moskitos – Jenny macht sich selbstständig

Mich selbstständig machen – kann ich das? Yogalehrerin Jenny hat lange überlegt. Gezweifelt, gerechnet, gezögert. Vor großen Entscheidungen haben wir Angst, später etwas zu bereuen. So war es bei ihr auch.

Heute ist Jenny ihr eigener Chef. Ihre Geschichte motiviert und ihre Freude ist einfach ansteckend – so sehr, dass man selbst direkt Lust bekommt, ein Projekt zu starten: “Ich dachte mir: zeig der Welt, was du kannst”, strahlt Jenny. Worauf warten wir eigentlich?


Jenny ist glücklich. Sehr sogar – und spricht umso befreiter von schwierigeren Zeiten. “Ich hatte Angst vor der Angst”, sagt sie und nippt am Tee. “Das kennen viele: Wir wollen keine falschen Schritte machen, also ändern wir lieber nichts.” Bei ihr war es ihr Beruf, der sie einengte. Lange Jahre machte sie einen Bürojob, der ihr zwar Sicherheit gab, sie aber nicht erfüllte.

Vertane Jahre? “Nein”, da ist Jenny ganz sicher. “Ich brauchte Zeit, herauszufinden, dass ich was Eigenes machen will”, sagt sie und lehnt sich in die gemütliche Eckbank im Café. Gerade hat die ausgebildete Yoga- und Reiki-Lehrerin ihr eigenes Studio eröffnet und strahlt. “Ich liebe es einfach, etwas für mein Geld zu tun, das mich glücklich macht.” Hört sich super einfach an – problemlos war der Weg dahin jedoch nicht. Das ist Jenny wichtig: “Es war ein Prozess, keine Frage”, sagt sie. “Aber auch eine schöne Erfahrung!”

 

Zweifel, Stress und ein Aha-Moment

Der Traum, von ihrem eigenen Projekt leben zu können, schlummerte schon länger in Jenny. “Ich wollte zunächst ein paar Stunden die Woche mein Wissen weitergeben.” Sie verhandelte mit ihrem Chef, reduzierte ihre Arbeitsstunden im Büro und fing an, in verschiedenen Studios in Hamburg Yoga-Kurse zu geben.

Nebenbei ging sie auch mit ihrer Jimdo-Webseite zum Projekt herzzeit-hamburg.de online. “Ich habe viel ausprobiert mit Farben, verschiedene Schriftarten und auch Fotos. Dass ich meine Webseite selber machen kann, ist genial für mich. So kann ich genau das vermitteln, wofür ich stehen will: spirituell sein, ohne dabei zu esoterisch zu wirken.”

Die Yoga- und Reiki-Kurse neben dem Beruf machten ihr direkt unheimlich Spaß. Aber die 33-jährige spürte auch eine große Unsicherheit: “Wie schaffe ich das mit weniger festem Gehalt, in einer teuren Stadt wie Hamburg?” Die Zweifel ließen sich beiseiteschieben, doch der Stress nahm zu. Zuletzt begannen Arbeitstage teilweise um acht Uhr morgens im Büro und endeten im Homeoffice um 23 Uhr mit der letzten Antwort auf eine Terminanfrage per Mail.

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Jennys Webseite: Lust auf Yoga, Reiki oder einfach etwas Inspiration? Besucht Herzzeit Hamburg mit einem Klick auf das Bild

Mehr und mehr empfand Jenny die Büroarbeit als anstrengende Pflicht – neben der Kür: dem Yoga und Reiki mit ihren Klienten. “Dabei war mir immer wichtig, beim Yoga, Reiki und Shiatsu selber ausgeglichen zu sein. Ich möchte meine Überzeugung ja auch glaubhaft vermitteln und nicht gehetzt wirken”, sagt Jenny.

Zum Ausspannen flog sie zusammen mit Freund Markus nach Bali: Sonne, Meer, Zeit zu zweit. Dann machte es „klick“. Ein Schlüsselmoment für Jenny – wenn auch ein schmerzhafter.

“Ich kam aus dem Urlaub von Bali, ein Moskitostich hatte sich entzündet”, erzählt Jenny. Sie sagt das mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht. Zurück in Hamburg will sie der Arzt sofort krankschreiben. “In diesem Moment wurde mir klar, dass ich Angst habe, bei der Arbeit wegen eines Moskitostichs zu fehlen. Das war mein Aha-Moment.” So konnte es nicht weitergehen. Tags darauf fährt sie ins Büro und kündigt.

 

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Selbstständig? „Mach das!“

Wirklich Sorgen bereitet ihr die Entscheidung nicht. “Ich hatte ja bereits Erfahrung mit meinen Kursen, meine eigene Webseite, liebe Kunden und befreundete Kollegen, auf die ich zählen kann.” Und sonst? “Alles halb so wild”, sagt Jenny. “Ein Kleingewerbe hatte ich schon.” Und für Fragen zu anderen Formalitäten wendet sie sich an Bekannte, schaut in Bücher oder ins Internet. “Das Wissen, was man braucht, kann man sich schon besorgen.” Ausnahme: “Die Steuererklärung macht dann aber doch lieber der Steuerberater…”

Viel mehr Bammel hat Jenny davor, was ihre Eltern sagen würden. “Meine Eltern haben lieber eine Versicherung zu viel als zu wenig.” Innerlich bereits auf Widerspruch vorbereitet, erzählt sie ihnen schließlich von ihrer Entscheidung.

“Und dann sagen meine Eltern: ‘Jenny, wir sehen doch, wie glücklich du mit deiner Idee bist. Mach das, wir sind für dich da!’” Das hat sie nicht erwartet. Auch von Freunden und Verwandten hörte sie ausnahmslos Zuspruch. “Ich hab so oft gehört: ‘Du kannst das Jenny, mach das!’ Das hat mich fast gewundert – aber unheimlich bestärkt”, erzählt Jenny und schlürft am Tee.

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Wenn das Hobby zum Beruf wird

Nun geht es also los: Jenny teilt sich mit drei Freunden ein Studio mit fünf Plätzen im Herzen Hamburgs. Die Tage vor der Eröffnung waren noch einmal anstrengend mit Renovierung, Vorbereitung – und nebenbei den letzten Arbeitstagen im alten Job. “Aber die Vorfreude war viel größer als die Anstrengungen”, sagt Jenny.

Aber wie ist das, wenn eine persönliche Leidenschaft auf einmal zum Beruf wird – geht damit nicht auch etwas verloren? “Nein, es ist total cool”, sagt Jenny und strahlt diese Begeisterung aus. Wichtig sei vielmehr, die Freude an der Tätigkeit durch ein wenig Selbstdisziplin zu bewahren. “Ich nehme mir zum Beispiel vor, gewisse Arbeitszeiten einzuhalten. Eine Mail die nach 18 Uhr kommt, kann ich auch am nächsten Tag beantworten.” Zudem hat sie vor, sich mittelfristig zwei freie Tage die Woche einzuplanen.

Schlaflose Nächte mit Gedanken über den Beruf, Zweifel, Sorgen vor der Verantwortung, ungewisse Finanzen – wer sich selbstständig macht, kennt wie Jenny wahrscheinlich vieles von dem. Jenny hat diese “Angst vor der Angst” Schritt für Schritt überwunden. Heute ist sie überzeugt von sich, von ihrem eigenen Projekt. Weil es sie einfach glücklich macht – sehr sogar!

 

Sich selbstständig machen – 5 Tipps von Jenny

  1. Sich finden: Was könnt ihr gut, wobei seid ihr glücklich?
  2. Sanfter Start: Beginnt euer Projekt neben dem Beruf oder von zu Hause aus   (z. B. mit einem Online-Shop).
  3. Finanzieller Puffer: Schafft euch eine Sicherheit für die Übergangsphase.
  4. Unterstützung holen: Fragt Freunde und Bekannte mit Spezialwissen, etwa um ein Gewerbe anzumelden.
  5. Eine Webseite erstellen: Präsentiert euch und euer Angebot online – am besten mit einem schicken Logo!


Habt ihr auch schon einmal darüber nachgedacht, euer Projekt zum Beruf zu machen? Oder habt ihr den Schritt in die Selbstständigkeit vielleicht schon gemacht? Ein spannendes Thema – ich freue mich auf eure Kommentare!

Beste Grüße,
Markus