Gründen durch Crowdfunding: Wie funktioniert das und ist das was für mich?

Crowdfunding ist in den letzten Jahren in aller Munde. Für gewöhnlich fällt das Buzzword (Schlagwort) in Verbindung mit Geschichten über skurrile und ausgefallene Produkt- und Geschäftsideen.

Immer öfter jedoch wird diese Form der Geldbeschaffung jedoch auch von Gründern und Start-ups ins Auge gefasst und mittlerweile als ernsthafte Alternative zu so genannten Business Angels oder Venture Capital gehandelt.

Im Gastbeitrag zeigt euch Maximilian Reichlin von der Vergleichsplattform trusted, wie Crowdfunding für Gründer funktioniert – und wie ihr herausfindet, ob auch euer Projekt auf diesem Weg eine erste Finanzspritze bekommen könnte.


Crowdfunding kommt aus den USA und bezeichnet die Sammlung von Geldern (funding) durch kleine Beträge aus einer großen Masse (Crowd). Ursprünglich wurden dadurch vor allem Musikprojekte durch private Fans finanziert. So konnten sich Musiker auch ohne große Plattenverträge den benötigten Vorschuss organisieren – zum Beispiel für das, von den Fans heiß ersehnte, nächste Album.

Mittlerweile gibt es allerdings noch viel mehr: Kleinunternehmer und Gründer können dadurch Produktideen aus den verschiedensten Sparten finanzieren und auch das eine oder andere Start-up besorgt sich auf Plattformen wie KickstarterIndiegogo und Co. eine initiale Finanzspritze.

Das Ganze funktioniert so: Wenn ihr ein Projekt durch die Crowd finanzieren wollt, stellt ihr es auf einer der verfügbaren Plattformen online. Die Community kann diese Kampagnen dann mit kleinen Summen unterstützen – ab 1 Euro geht es meistens los.

Nach Ablauf der Kampagnenlaufzeit geht das gesammelte Geld an das Projekt. Die Plattform behält eine kleine Provision ein und die Unterstützer erhalten – je nach gewähltem Modell – eine Gegenleistung. Zum Beispiel eine Teilhaberschaft (also ein Anteil am gegründeten Projekt), eine Rendite oder in Form von Sachgeschenken.

 

Welches Crowdfunding-Modell ist das richtige für mich?

Soviel zur Theorie. Wie findet ihr nun aber heraus, ob auch ihr Crowdfunding sinnvoll für euch nutzen könnt?

Zunächst mal solltet ihr wissen, dass Crowdfunding nicht gleich Crowdfunding ist. Da gibt es verschiedene Modelle, die sich jeweils für ganz bestimmte Arten von Projekten eignen. Ganz klassisch unterscheidet man diese vier:

Crowddonation

Das ist im Grunde nichts anderes, als ein Spendenaufruf im Internet. Unterstützer geben dabei Geld, ohne eine Gegenleistung oder eine Rendite zu erwarten.

Eignet sich für: Soziale und gemeinnützige Projekte.

Haben es so gemacht: Die Initiative Mein Grundeinkommen verlost in regelmäßigen Abständen einjährige Grundeinkommen und sammelt dafür auf der eigenen Homepage Mikrospenden.

Crowddonation durch Mein Grundeinkommen

© mein-grundeinkommen.de

Crowdsponsoring

Crowdsponsoring ist das, was die meisten unter Crowdfunding verstehen, und was euch am geläufigsten sein dürfte. Unterstützer geben hier einen selbst gewählten Betrag und erhalten nach abgeschlossener Kampagne ein “Dankeschön” je nach Höhe der Spende – beispielsweise das fertige Produkt, Merchandise-Produkte oder die Erwähnung in den Credits.

Eignet sich für: Produktideen oder kreative Projekte (CD’s, Bücher, Filme, etc.)

Haben es so gemacht: Das Münchener Startup Bragi sammelte im Jahr 2014 durch Kickstarter fast 3,5 Millionen US-Dollar für die Produktion smarter kabelloser Kopfhörer.

Start-up Bragi Crowdsponsoring

© bragi.com

Crowdinvesting

Das Crowdinvesting erinnert stark an klassische Investierungsmodelle. Hier bekommen die Unterstützer keine Geschenke als Gegenleistung, sondern erwerben Anteile an dem geplanten Unternehmen. Hat die Firma Erfolg, winkt den Unterstützern aus der Crowd eine Rendite. Dafür ist auch das Risiko größer: Schafft es das Start-up trotz erfolgreicher Investition nicht, ist das Geld in den meisten Fällen weg.

Eignet sich für: Startups und Freelancer-Projekte.

Haben es so gemacht: Das Berliner Startup Freche Freunde gewann im Jahr 2013 per Seedmatch rund 280 Investoren (250.000 Euro) für die Weiterentwicklung ihrer Bio-Snack-Marke “erdbär”.

Frche Freunde Crowdinvesting

© frechefreunde.de

Crowdlending

Das “Verleihen” über die Crowd funktioniert im Grunde wie ein Privatkredit. Kreditgeber leihen euch einen Betrag, den sie später mit Zinsen zurückerhalten. Der größte Unterschied zum Crowdinvesting besteht darin, dass Unterstützer bei dieser Art des Investments einen Rückzahlungsanspruch haben – ganz gleich, ob das Projekt erfolgreich ist, oder nicht.

Eignet sich für: Immobilien oder kurzfristige Projekte in KMU.

Haben es so gemacht: Die Immobilie Weissenhaus, ein 5-Sterne-Hotelresort an der Ostsee, konnte im Juli 2014 seine Pforten öffnen. Zuvor hatte das Projekt auf der Plattform Companisto eine Rekordsumme von 7,5 Millionen zu einem Zinssatz von 4% gesammelt.

Immobilie Weissenhaus Crowdlending

© weissenhaus.de

 

Was ihr beim Crowdfunding beachten müsst

Wenn ihr nun ein Modell gefunden habt, das für eure Zwecke passend erscheint, gibt es noch einige Kleinigkeiten zu beachten, bevor es losgehen kann:

1) Was wollt ihr erreichen?

Die erste und wichtigste Frage, die ihr euch stellen müsst, ist folgende: Wo wollt ihr mit eurem Projekt oder Start-up eigentlich hin? Was ist euer Ziel? Oder anders gefragt: Was habt ihr mit dem Geld, das ihr vielleicht per Crowdfunding bekommt, vor?

Eine grobe Idee reicht da nicht. Zwar ist die Crowd prinzipiell immer offen für neue Produkte und ausgefallene Ideen, sie ist aber auch wählerisch. Ein genaues Businessmodell ist also Pflicht.

Crowdfunding ist (nur) dann das Richtige für euch, wenn ihr ganz genau wisst, was ihr vorhabt und das auch vermitteln könnt.

Habt ihr eine genaue Idee von eurem Vorhaben, geht es mit der Werbetrommel los: Ihr stellt der “Crowd” euer Projekt vor und versucht, sie davon begeistern:

  • Konzept: Am Anfang der Kampagne steht ein Businessplan, eine “Story”. Die muss von Anfang bis Ende Sinn machen, um zu überzeugen.
  • Videos, Bilder, Text: Eine gute Crowdfunding-Kampagne lebt von gutem Content, der eure Story unterstützt. Ein Video, in dem ihr eure Idee vorstellt, ist mittlerweile Pflicht, um euch die Aufmerksamkeit eurer potentiellen Unterstützer zu sichern, ebenso wie eine aussagekräftige Präsentation durch Text und Bilder.
  • Marketing: Um eure Kampagne bekannt zu machen, müsst ihr fleißig die Werbetrommel rühren und in den Sozialen Medien auf Zack sein. Findet Multiplikatoren, baut ein Netzwerk auf, kommuniziert mit der Crowd auf allen Kanälen.
  • Updates: Eure Crowd will mit regelmäßigen Berichten und Statusmeldungen auf dem Laufenden gehalten werden. Nur so sichert ihr euch langfristige Unterstützung und den Rückhalt aus der Community.
  • Nachbereitung: Nach Abschluss der Kampagne geht die Arbeit erst richtig los. Jetzt ist die Kommunikation mit der Crowd besonders wichtig. Die will nämlich wissen, wie es mit dem Projekt weitergeht, in das sie investiert hat.
Crowdfunding bedeutet auch: Lust zu haben, viel Zeit und Mühe in eure Kampagne zu investieren.

2) Wie ist eure Ausgangsposition?

Entscheidend für euren möglichen Erfolg ist auch, wo ihr aktuell steht, wenn ihr eure Crowdfunding-Kampagne plant. Seid ihr noch ganz am Anfang eurer Reise? Dann könnte es schwierig werden, euch auf den Crowdfunding-Plattformen gut zu verkaufen.

Ihr solltet bereits einen Schritt weiter sein, zum Beispiel den Prototypen eines Produkts haben, den ihr vorstellen könnt, oder bereits erste Umsätze mit eurem Modell erzielt haben. Viele Crowdfunding-Projekte kommen daher auch von bereits bestehenden Unternehmen.

3) Welche Plattform wollt ihr wählen?

Nicht jedes Projekt oder Produkt eignet sich für die Platzierung auf jeder der in diesem Artikel vorgestellten (und darüber hinaus existierenden) Plattformen. Das Online-Vergleichsportal trusted.de hat zu diesem Zweck bereits einige der bekanntesten Crowdfunding-Plattformen auf dem deutschen Markt miteinander verglichen, um Einsteigern eine Entscheidungshilfe zu bieten.

 

Fazit

Crowdfunding kann für euer junges Unternehmen ein großartiges Instrument sein, um kurzfristig Projekte umzusetzen, ein neues Produkt in die Massenproduktion zu pushen, oder eure Marktmacht zu erhöhen.

Das funktioniert allerdings nur, wenn ihr sorgfältig plant und euch nicht scheut, Zeit und harte Arbeit zu investieren. Sonst wird der Traum vom massenfinanzierten Erfolg schnell zum Albtraum.


Maximilian Reichlin ist Chefredakteur der deutschen Vergleichsplattform trusted. Zusammen mit seinem Team aus Redakteuren und Branchenexperten testet und vergleicht er Online-Dienste in über 250 Kategorien und bietet seinen Lesern damit eine Entscheidungshilfe auf der Suche nach dem richtigen Angebot.